‘Sehnsucht’ in Venedig
25. Juli 2010, mb
Thema der 12. Internationale Architekturausstellung, Biennale Venedig ist ein dreidimensionales Portrait der Sensibilität zeitgenössischer deutscher Architektur. Mit dem Thema „Sehnsucht“ wird im deutschen Pavillon eine grundlegende emotionale Triebfeder architektonischen Handelns thematisiert.
Der Schwerpunkt liegt auf der direkten sinnlichen Präsenz. Statt stellvertretender Modelle, Pläne oder Fotografien wird der Pavillon selbst als erstes Ausstellungsstück interpretiert und zu einem Sehnsuchtsort aufgeladen.
Eine Auswahl deutscher Architekten und Kulturschaffender gibt ihren architektonischen Seh(n)süchten direkten Ausdruck. Im Sinne eines zeitgenössischen Salons entsteht ein Ort der Begegnung und interdisziplinären Reflektion über individuelle und kollektive Sensibilitäten der aktuellen Architekturlandschaft.
Sehnsucht ist sinnlich
Das Thema „Sehnsucht“ beinhaltet die grundlegenden emotionalen, intimen und sinnlichen Aspekte der Architektur. Mit dem Beitrag soll das Unausgesprochene, das Unsichtbare der Architektur in eine öffentliche Präsentation überführt werden.
Es geht um die Suche nach der Einheit von Architektur, Mensch und Natur – jene Einheit mit der Welt, die Kinder verspüren und die im Laufe des Erwachsenwerdens unwiederbringlich verloren zu gehen scheint.
Die Sehnsucht nach dieser Einheit löst einen grundlegenden kreativen Prozess aus. In diesem Sinne soll im deutschen Pavillon ein temporärer Ort entstehen, in dem Sehnsüchte aufleben und reflektiert werden können.
Der ideale Ort: Venedig
Venedig selbst stellt bereits eine intensive Projektionsfläche architektonischer Sehnsüchte und Wünsche dar, deshalb wird der deutsche Pavillon als erstes Ausstellungsobjekt interpretiert und zu einem Sehnsuchtsort aufgeladen.
In den Räumen werden daher keine architektonischen Pläne, Fotos und Modelle im klassischen Sinn ausgestellt, vielmehr soll die Gebäudehülle nur den Anstoß geben, den Ort anzureichern mit Atmosphäre. Es entsteht somit jenseits der Ebene des reinen Ausstellens ein kommunikativer Ort, der Raum für Diskussionen schafft.
Die Ausstellung
Ein goldener Vorhang inszeniert den Übergang von außen nach innen, das Betreten des Pavillons und die atmosphärische Gestaltung der Innenräume richten sich an die verschiedenen Sinne der Besucher:
Der Hauptraum präsentiert sich als großzügiger Freiraum, in dem über 180 deutsche und internationale Architekten und Kulturschaffende ihren architektonischen Sehnsüchten skizzenhaften Ausdruck verleihen. Der Pavillon mit den roten, stoffbespannten Wänden und Sesseln lädt dazu ein, zu verweilen und den Ort in sich aufzunehmen.
Gespräche über Sehnsucht
Mit Vorträgen, Gesprächen und Musikaufführungen bespielt wird der Pavillon darüber hinaus zum Ort der Begegnung, der Inspiration, des persönlichen Austausches und der interdisziplinären Reflektion über individuelle und kollektive Sensibilitäten der aktuellen Architekturlandschaft.
Nahezu wöchentlich treffen sich während der gesamten Laufzeit der Biennale Studenten, Architekten und Nichtexperten zu gemeinsamen Workshops.
Die kleineren Seitenräume wirken als dichte emotionale Kabinette inspirierend, irritierend und provozierend. Dort geht es immer um direkte Sinneswahrnehmung. Weiche Wandbespannungen, verspiegelte Oberflächen, Ausblicke und Vorhänge in verschiedensten Variationen kleiden den Pavillon zu einem künstlerisch inszenierten Gesamtwerk aus.
Neben dem Roten Salon, dem Spiegelkabinett und dem Zimmer mit Aussicht werden die anderen Räume mit weiteren akustischen und visuellen Reizen überraschen.
Zusätzlich zu den im deutschen Pavillon geplanten Veranstaltungen finden während der Dauer der Biennale „Außensalons“ in verschiedenen europäischen Städten wie München, Zürich und Berlin statt.
Diese vernetzen das Thema des deutschen Biennale Beitrags in einen fächerübergreifenden, internationalen Kontext und ermöglichen eine inhaltliche Auseinandersetzung auch außerhalb von Venedig. (Quelle: Originalmeldung)
12. Internationale Architekturausstellung. Biennale Venedig 2010 – 29. August bis 21. November 2010










