Einar Schleef: Mütter
14. Juli 2010, mb
Das theaterlabor bremen bleibt sich treu: das Ensemble spielt nach Peter Hacks und Heiner Müller auch in diesem Sommer einen Dramatiker aus der ehemaligen DDR. Es eröffnet die neue Spielzeit mit dem Stück ‘Mütter’ von Einar Schleef.
Der 2001 verstorbene Schleef arbeitete nicht nur als Schriftsteller und Regisseur, sondern machte sich überdies als Maler, Fotograf und Bühnenbildner einen Namen. Elfriede Jelinek urteilte in einem Nachruf über ihn: „Es hat nur zwei Genies in Deutschland nach dem Krieg gegeben, im Westen Fassbinder, im Osten Schleef.”
Erbittertes Zerwürfnis
Bei Schleefs 1986 am Schauspiel Frankfurt uraufgeführter Tragödie „Mütter“ handelt es sich genau genommen um eine Adaption und Neuübersetzung verschiedener Texte der großen antiken Dichter Aischylos und Euripides.
Im Kern geht es um das erbitterte Zerwürfnis zwischen den Söhnen des Ödipus. Eteokles, König von Theben, bringt Polyneikes um seinen Erbteil. Um dem Brudermord zu entgehen, flüchtet Polyneikes nach Argos und stellt mit Hilfe Adrastos, des Königs von Argos, ein Heer gegen Theben auf.
Die Angreifer scheitern jedoch und kommen allesamt um, ebenso Eteokles. Als der neue Herrscher Thebens, Kreon, die Toten nicht herausgeben will, bitten die Mütter der Gefallenen Theseus um Hilfe.
So die Ausgangssituation, in deren weiterem Verlauf sich eine spannende Geschichte entwickelt, in welcher Akteure getrieben scheinen zwischen inneren Widersprüchen und der Verpflichtung gegenüber dem Gesetz der Gastfreundschaft und Gewährung von Asyl.
Schleef verstand sich zeit seines Lebens als Exilant, als heimatlos und heimatsuchend. Eben dies spiegelt sich auch in „Mütter“: die Handlung kreist um Krieg und Kriegsfolgen – Heimatlosigkeit eingeschlossen.
Sieben gegen Theben
Auf der Suche nach dem Mörder des Laios fand Ödipus heraus, dass er selbst der Mörder und außerdem auch der Sohn des Opfers war. Schockiert darüber, dass die einstige Prophezeiung des Orakels in Delphi Wirklichkeit geworden war, blendete er sich selbst und trat als König von Theben zurück.
Das Orakel hatte ihm vorausgesagt, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde. Aus dieser Ehe waren die vier Kinder Eteokles, Polyneikes, Antigone und Ismene hervorgegangen. Iokaste, seine Ehefrau und Mutter, erhängte sich.
Das Königreich übernahmen seine beiden Söhne Eteokles und Polyneikes, die vereinbarten, jährlich abwechselnd zu regieren. Sie machten jedoch auf Ödipus nicht den Eindruck, an der Regentschaft interessiert zu sein, so dass er sie für ihre Nachlässigkeiten rügte.
Nach dem ersten Jahr verweigerte Eteokles den Rücktritt, so dass Polyneikes Theben mit seinen Verbündeten (den Sieben gegen Theben) angriff. Beide Brüder kamen in der Schlacht um.
Während der Schlacht wurde Kapaneus als Strafe für seine frevelhafte Prahlerei durch einen von Zeus geschleuderten Blitz getötet. Seine Frau Euadne stürzte sich selbst in den brennenden Scheiterhaufen. Megareus tötete sich selbst aufgrund einer Prophezeiung des Teiresias, dass der Selbstmord eines Thebaners Theben retten würde. (Quelle: Originalmelodung)
Einar Schleef: Mütter - Premiere: 12. August 2010 – Concordia Theater – Bremen









