Am Puls des Lebens

30. Juni 2010, mb

In der Auseinandersetzung mit drei stilistisch sehr unterschiedlichen Werken von John Adams will Gregor Zöllig sich dem Thema des menschlichen Körpers nähern. Den Hintergrund bildet ein rasant zunehmendes Körperbewusstsein der Gesellschaft mit den großen Widersprüchen der Auf- und gleichzeitigen Abwertung, wenn nicht Verdrängung des Körpers.

»Die Schwierigkeiten beginnen mit dem menschlichen Körper. Das Gehirn zum Beispiel ist ein Organ de Luxe. Denn die Menschen sterben, ohne je die Fähigkeiten des Gehirns richtig ausgeschöpft zu haben. Doch nicht der Kopf ist zu groß – das Leben ist zu kurz…

Es ist sehr einfach: Der Mensch will Leben, aber er muss sterben. Deshalb ist sein größter Wunsch Unsterblichkeit.« (Michel Houellebecq)

John Adams

Die Grundlage für Gregor Zölligs Uraufführung sind drei Werke von John Adams: The Dharma at Big Sur ist ein Konzert für elektronische Violine und Orchester, eine illusionsreiche, lebendige, geheimnisvolle Musik.

Christian Zeal & Activity setzt sich mit dem Christentum und Predigtstilen auseinander und Fearful Symmetries spiegelt symmetrische Ordnung, Rhythmus, Farben und Dynamik in seiner Musik wider.

John Adams, 1947 in Worcester, Massachusetts geboren, verbindet in seinen Werken die rhythmische Energie des Minimalismus mit der Harmonik und den Orchesterfarben der Spätromantik, bringt Zeitgeschichte auf die Bühne und widmet sich engagiert sozialen Themen.

Querdenker durch und durch

Er wird als der meistgespielte lebende Orchestermusik Komponist Amerikas bezeichnet. Adams greift immer wieder aktuelle und zeithistorische Ereignisse als Inspiration für seine Musik auf, auf den ersten Blick „unpassende“ Sujets für klassische Musik, die oft zu politischen Kontroversen führten (den Staatsbesuch Nixons in China, die Entführung eines Kreuzfahrtschiffes durch Terroristen, ein Erdbeben, die Entwicklung der ersten Atombombe, Terroranschläge, den Amerikanischen Bürgerkrieg und illegale Emigration).

Adams greift für seine Werke oft direkte Anregungen aus Philosophie, Literatur und Religion auf. Religion ist ein Thema in Adams´ Welterfolg Shaker Loops, der die ekstatischen Tänze der amerikanischen Shaker-Gemeinde evoziert.

El Niño ist eine Neufassung der Weihnachtshistorie, Christian Zeal & Activity setzt sich schon im Titel mit dem Christentum auseinander. Bei The Dharma at Big Sur kommen die Anregungen von den Werken Jack Kerouacs und Henry Millers, bei Harmonium sind die Gedichte Wallace Stevens´ die Grundlage.

Naive and Sentimental Music ist eine in Musik gefasste Auseinandersetzung mit Friedrich Schillers Unterscheidung zwischen naiver und sentimentalischer Dichtung, The Wound Dresser eine Vertonung von Versen Walt Whitmans über die Schrecken des Amerikanischen Bürgerkrieges. Den Titel von American Berserk lieh sich Adams von Philip Roth. (Quelle: Originalmeldung)

Am Puls des Lebens – Premiere: 15. bis 18. Juli 2010 – Theater Bielefeld

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