Stanser Musiktage
11. März 2010, mb
Auch im 2010 präsentieren die Stanser Musiktage wieder neue, kultverdächtige und ausgefallene Konzertperlen in den Stilrichtungen Jazz, World, Folk und Volksmusik. Außerdem dürfen Sie sich auf zwei Uraufführungen und elf Schweizer Premieren freuen.
Im Rahmenprogramm finden weitere Konzerte im Weltmusikzelt, im Jazzpavillon (Weinzelt) und im “enwee macht die tage”-Zelt statt. Erstmals sind auch einige Bands aus der französischen Schweiz dabei.
Mit der besten Backing Band der Welt im Rücken (ja, aber Booker T. & the MG’s sind nicht mehr aktiv) kann nichts schief gehen. Depedro beweist auf seinem Debüt-Album aber auch, dass er zurecht für einmal im Vordergrund steht.
Zum Beispiel Depedro
Normalerweise verschwinden Acts im Vorprogramm nach einer halben Stunde ja wieder von der Bühne. Anders Jairo Zavala, wie Depedro eigentlich heißt.
Der Kollege verbringt bei der diesjährigen Tour mit den großen Calexico mehr Zeit auf der Bühne als die Hauptband selbst. Der Spanier ist fester Teil der Band, die ihm so viel Aufmerksamkeit zukommen lässt.
Ganz zurecht, wie sein Debütalbum zeigt. Calexico ist dabei als Backing Band. So steht auch “Depedro“ für meisterliche Instrumentalkönnen, einen inspirierenden wie vielfältigen Mix von Stilen wie Folk, Blues, Country, Latin und Jazz.
Jairo Zavala
Jairo Zavala ist hier aber federführend, erweitert das Sound Universum gar noch um einige Facetten und seine heisere Stimme erklingt nun in jedem Song. Stärker als bei Calexico fällt hier ein Vorgang musikalischer Thermodynamik auf.
Unnahbare Kühle und lähmende Hitze werden vereint. Die Vermischung dubbiger Hall-Effekte, zurückhaltender Elektronik und cool-jazziger Vibes mit Country-Rhythmen und feurigen Latin-Melodien zaubert eine ganz eigene, irgendwie surreale Welt herbei.
In “Don’t Leave Me Now“ erklingen gedämpft und leicht obskur Bläser in der Ferne, während im beschwingten Pop-Stück “La Memoria“ Joey Burns an der Marimba vor der Euphorie im Refrain warnt.
In “Two Parts One“, dem einzigen rein englischsprachigen Titel, trägt eine lang nachhallende Slide-Guitar eine verloren klingende Trompete weit weit weg. Fast alle Titel sind von innerlicher Erschöpfung und Abgekämpftheit, aber sturem Willen gezeichnet.
Einzige Ausnahme: “Comanche“, eine schmissige Interpretation des Jorge Ben-Meisterstreichs. “Llorona“ ist die zweite Coverversion auf dem Album. Bei diesem wundervollen Song über eine Frau, die von ihrem Schmerz und der Reue über eine schreckliche Tat über ihren Tod hinaus verfolgt wird, muss sich Depedro mit der Jahrhundertsängerin Chavela Vargas messen.
Deren Interpretation kann aber ohnehin niemand mehr toppen, und Depedro ist sich dessen auch bewusst. Im Versuch, dem Song
trotzdem einen eigenen Stempel aufzudrücken, greift er gar auf Synthies zurück, was erstaunlicherweise nicht schief geht.
Unverständlich ist allerdings die Verwendung des kitschigen Schlager-Keyboards in “Equivocado“ – der einzige Fehlgriff, den sich Depedro und Calexico hier erlauben.
Manchmal scheint es, als wäre der Geist von Manu Chao anwesend. Sämtliche Tracks sind von grandioser Lässigkeit, immer angestubst von Convertinos federndem Schlagzeugspiel.
Immer wieder trägt Zavala europäische Einflüsse in die amerikanische Grenzstadt, baut wie in „Te Sigo Soñando“ frankophile Elemente ein, oder traut sich auch eine flotte, von Jazz durchzogene Pop-Nummer wie „Comanche“ zu. Am Ende stehen alle als Gewinner da, Jairo Zavala, Calexico und insbesondere der Hörer. (Quelle: Originalmeldung)
Stans/CH 12.04. Laut und Luise, Melissa Laveaux, Le Trio Joubran 13.04. Glassfarm Ensemble, Novalima, Portico Quartet 14.04. Plaistow, Aurelio Martinez, Bugge Wesseltoft 15.04. The Imperial Tiger Orchestra, Staff Benda Bilili, Ultra High Flamenco 16.04. Markus Lauterburg MUMUR, Estonian Philharmonic Chamber Choir, Amparo Sánchez, Charlotte Hug, Analogik, Banda Olifante feat. Michel Godard 17.04. Le Rex, Mimmo Locasciulli, Edmar Castañeda, Justin Adams & Juldeh Camara, Vijay Iyer Trio 18.04. Violons Barbares. (Quelle: Originalmeldung)
Stanser Musiktage - 12. bis 18. April 2010 – Stans










