Eating the Universe

1. November 2009, mb

eat_artEat Art in institutionalisierter Form hat ihren Ursprung in Düsseldorf: 1970 gründete Daniel Spoerri am Burgplatz die Eat Art Galerie, in der berühmte Künstler von Dieter Roth bis Joseph Beuys und Roy Lichtenstein Objekte aus Lebensmitteln zeigten.

Ausgehend von den Aktivitäten der Eat Art Galerie dokumentiert die Ausstellung „Eating the Universe“ – ein Titel, den Peter Kubelka, ehemals Professor für Film und Kochen an der Frankfurter Städelschule, in den 1970er Jahren für eine TV-Sendung über das Kochen als Kunstgattung erfand – die Verwendung verzehrbarer Materialien in der Kunst von den 1970er Jahren bis heute.

Sie zeigt, auf welche Weise Künstlerinnen und Künstler Themen wie Identitätsstiftung durch Essgewohnheiten, moderne diätische Ernährungslehren, Koch-Shows und Konsum- und Globalisierungskritik mittels Techniken und Materialästhetik der Eat Art verarbeiten.

Die Anfänge der Eat-Art waren die so genannten Fallenbilder (frz. tableau piège) von Spoerri, für die er in den 1960er Jahren die Reste von beendeten oder abgebrochenen Mahlzeiten mit Leim und Konservierungsstoffen fixierte, um so plastische Momentaufnahmen zu schaffen.

Es handelt sich quasi um dreidimensionale Stillleben. Die Absicht ist, mit verschiedenen formalen Mitteln eine Teil der realen Alltagswelt darzustellen.

Spoerri betrachtete die Kochkunst als Teil der Bildenden Kunst. Bei seinen Eat Art-Aktionen in Restaurants trat er selbst als Koch auf und erfand neue Gerichte und Rezepte, wobei er teilweise die gehobene Küche parodierte.

Daniel Spoerri betrieb zwischen 1968 und 1972 in der Altstadt von Düsseldorf ein eigenes Restaurant und darin auch eine Eat Art Gallery. Neben Fallenbildern schuf er auch Objekte aus Brotteig und stellte sie aus.

Ziel der Idee ist es, eine objektive Realität mit verschiedenen formalen Mitteln der Alltagswelt darzustellen. Damit wurde die Idee der Kommerz-Kunst der Pop-Art aufgegriffen und auf andere Weise fortgesetzt.

Weitere Vertreter der Eat Art – in Zusammenarbeit mit Spoerri – waren André Thomkins und Dieter Roth (u.a. Kunstobjekte, die auf Bestellung beim Bäcker als Kuchen hergestellt werden).

Roth stellte ab 1961 rund 50 „Literaturwürste“ her, für die er Buch- und Zeitschriftenseiten zerkleinerte, mit Gelatine, Fett und Gewürzen vermengte und in Wurstdärme füllte. Auf diese Weise „verwurstete“ er u.a. Die Blechtrommel von Günter Grass und die Gesammelten Werke von Hegel.

Im Anschluss wird die Ausstellung in der Galerie im Taxispalais in Innsbruck (April bis Juni 2010) und im Kunstmuseum Stuttgart (September 2010 – Januar 2011) zu sehen sein. (Quelle: Originalmeldung)

28. November bis 28. Februar 2010 – Kunsthalle Düsseldorf

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